Buchcover Stark im Handwerk von Andreas Scheibe
← Alle Bücher

Meine Meinung

Stark im Handwerk

von Andreas Scheibe

Ein Auftrag kann handwerklich sauber ausgeführt sein und wirtschaftlich trotzdem schieflaufen. Andreas Scheibe beschäftigt sich mit der Seite des Handwerks, die zwischen Angebot, Baustelle und Abrechnung liegt.

Zwischen Baustelle und Schreibtisch

Stark im Handwerk richtet den Blick auf die Organisation von Bauprojekten. Scheibe behandelt den Weg vom Leistungsverzeichnis über die Ausführung bis zu Änderungen und Nachträgen. Der Ausgangspunkt ist nachvollziehbar: Ein Betrieb muss seine Leistung beherrschen, aber genauso wissen, was vereinbart wurde und unter welchen Bedingungen er sie erbringen soll. Sonst können Aufwand und Vergütung auseinanderlaufen, obwohl die Arbeit auf der Baustelle stimmt.

Als Handwerksmeister kenne ich zumindest die fachliche Seite dieses Themas. Für die Einordnung eines solchen Ratgebers ist aber entscheidend, ob er über allgemeine Aufforderungen hinausgeht. Einfach besser zu kalkulieren oder konsequenter zu sein, ist schnell gesagt. Interessant wird es dort, wo aus einem Vorsatz ein nachvollziehbarer Ablauf wird, mit Zuständigkeiten, Informationen und Entscheidungen zur richtigen Zeit.

Warum Dokumentation so wichtig ist

Ein Schwerpunkt der zugänglichen Kapitelübersicht ist die Dokumentation. Sie wirkt zunächst wie zusätzliche Büroarbeit, erfüllt aber einen handfesten Zweck. Wenn sich eine Leistung verändert, ein Arbeitsbereich nicht zugänglich ist oder eine Information fehlt, muss später erkennbar sein, was tatsächlich passiert ist. Eine gute Dokumentation hält den Ablauf fest, anstatt erst bei der Schlussrechnung aus dem Gedächtnis zusammengesetzt zu werden.

Dabei sollte man zwei Dinge auseinanderhalten. Etwas zu dokumentieren macht einen Vorgang nachvollziehbar. Ob daraus ein bestimmter Anspruch entsteht, ist eine weitere Frage. Sie hängt unter anderem von der Vereinbarung und den konkreten Umständen ab. Wer diese Unterscheidung überspringt, erwartet von einem Baustellenprotokoll mehr, als es leisten kann.

Der Bezug zur VOB macht die Ausrichtung des Werkes deutlich. Es geht um ein professionelleres Verständnis der Spielregeln im Bauablauf, nicht um handwerkliche Arbeitstechniken. Für die Lektüre ist es deshalb hilfreich, die eigene Rolle mitzudenken: Welche Informationen benötigt die Bauleitung, was muss im Büro ankommen und an welcher Stelle wird entschieden, bevor zusätzliche Arbeit ausgeführt wird?

Von einzelnen Fehlern zu verlässlichen Abläufen

Ein organisatorischer Fehler lässt sich manchmal schnell korrigieren. Wenn derselbe Fehler in mehreren Projekten auftaucht, steckt häufig mehr dahinter. Dann fehlt möglicherweise eine Zuständigkeit oder eine Information wird regelmäßig zu spät weitergegeben. Genau hier liegt der praktische Nutzen, den eine Beschäftigung mit Prozessen haben kann. Man bearbeitet nicht jedes Mal nur die Folgen.

Ein einfaches Beispiel zur Einordnung: Die Baustelle erfährt von einer Änderung, während die Kalkulation weiter von der ursprünglichen Leistung ausgeht. Beide Seiten können für sich genommen sorgfältig arbeiten und trotzdem mit unterschiedlichen Grundlagen rechnen. Ein abgestimmter Informationsweg hilft dann mehr als der pauschale Vorwurf, jemand müsse besser aufpassen.

Solche Überlegungen machen die Lektüre besonders für Inhaber und Projektverantwortliche interessant. Für jemanden, der vor allem technische Ausführungsdetails sucht, ist sie dagegen nicht die passende erste Wahl. Auch ein kleiner Betrieb muss nicht jede organisatorische Lösung eines größeren Unternehmens übernehmen. Ein brauchbarer Ablauf sollte Arbeit erleichtern und nicht zu einem zweiten Betrieb neben dem eigentlichen Betrieb werden.

Die wirtschaftlichen Versprechen einordnen

Die Vermarktung ist sehr offensiv und stellt hohe Erträge durch einen besseren Umgang mit Bauabläufen in Aussicht. Diese Aussagen würde ich von der sachlichen Frage trennen, welche der beschriebenen Vorgehensweisen im eigenen Arbeitsumfeld sinnvoll ist. Eine deutliche Renditeverbesserung lässt sich aus der Lektüre allein nicht ableiten.

Ebenso wenig sollte man aus professioneller Interessenvertretung ein grundsätzliches Gegeneinander machen. Klare Vereinbarungen und belastbare Unterlagen können gerade dazu beitragen, Streit zu vermeiden. Ein Auftraggeber ist nicht automatisch ein Gegner, nur weil auf einer Baustelle unterschiedliche Interessen zusammentreffen. Diese Grenze ist wichtig, damit aus wirtschaftlicher Aufmerksamkeit keine unnötig konfrontative Haltung wird.

Fazit

Stark im Handwerk ist als Anstoß interessant, die wirtschaftliche und organisatorische Seite der eigenen Arbeit ernster zu nehmen. Der Wert liegt in nachvollziehbaren Abläufen und einer besseren Vorbereitung auf Gespräche, nicht in einer pauschalen Gewinnzusage. Für konkrete Vertragsfragen bleibt die Prüfung des Einzelfalls notwendig.

Wenn du es gerne selbst lesen möchtest, findest du es hier.

Zurück zu den Büchern →

Quellen zur Einordnung

Autorenbeschreibung und Kapitelübersicht · Buchvorstellung des Autors, 2021