Buchcover Handbuch für den Bausachverständigen von Michael Staudt und Mark Seibel (Hrsg.)
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Meine Meinung

Handbuch für den Bausachverständigen

von Michael Staudt und Mark Seibel (Hrsg.)

Der Staudt/Seibel behandelt die Arbeit des Bausachverständigen aus technischer und rechtlicher Sicht. Gerade diese Verbindung macht deutlich, warum ein Gutachten mehr sein muss als eine Sammlung von Fotos und Fachbegriffen.

Fachwissen allein macht noch kein Gutachten

Ein sichtbarer Schaden ist zunächst ein Befund. Was ihn verursacht hat, wie er zu beurteilen ist und welche Schlussfolgerung daraus folgt, sind weitere Fragen. Gerade am Bau werden diese Schritte im Gespräch schnell vermischt. Dann steht eine Erklärung im Raum, obwohl die Grundlage dafür noch nicht vollständig geklärt ist.

Das Handbuch von Michael Staudt und Mark Seibel verbindet die technische Seite mit den Anforderungen an die Sachverständigentätigkeit. Es geht also auch um den Auftrag, die rechtlichen Rahmenbedingungen und die nachvollziehbare Darstellung einer Beurteilung. Diese Verbindung unterscheidet es von einem reinen Fachbuch über bestimmte Bauteile oder Schadensarten.

Was genau soll geklärt werden?

Bevor eine Untersuchung beginnt, muss klar sein, welche Frage sie beantworten soll. Eine allgemeine Besichtigung, die Bewertung eines konkreten Mangels und ein gerichtlicher Gutachtenauftrag sind unterschiedliche Aufgaben. Wer diese Unterschiede nicht sauber behandelt, kann viel Arbeit leisten und trotzdem an der eigentlichen Frage vorbeigehen.

Das ist auch für Auftraggeber interessant. Die Erwartung, ein Sachverständiger werde schon alles Wichtige feststellen, ist zu unbestimmt. Umfang, zugängliche Bereiche und Untersuchungsmöglichkeiten beeinflussen, was sich überhaupt sagen lässt. Ein begrenzter Auftrag kann keine unbegrenzte Sicherheit liefern.

Für mich macht diese Perspektive den Wert eines solchen Handbuchs aus. Sie lenkt den Blick auf die Qualität des Vorgehens und nicht nur auf die fachliche Antwort. Eine sorgfältige Beurteilung zeigt auch, worauf sie sich stützt und an welcher Stelle Informationen fehlen.

Technik und rechtliche Bewertung

Die vierte Auflage behandelt unter anderem Bauvertragsrecht, technische Regelwerke und Fragen der Baumangelbeurteilung. Auch die Bedeutung von Herstellervorschriften sowie Themen wie Dachabdichtungen gehören zum Stoff. Mustertexte und Arbeitshilfen ergänzen die Erläuterungen.

Dabei sollte man technische Feststellung und rechtliche Entscheidung nicht gleichsetzen. Ein Sachverständiger kann einen Zustand untersuchen und fachlich einordnen. Welche Rechtsfolge daraus entsteht, hängt zusätzlich vom jeweiligen Auftrag, Vertrag und rechtlichen Zusammenhang ab. Gerade an dieser Schnittstelle sind klare Begriffe wichtig.

Ein anschauliches Beispiel ist eine Ausführung, die von einer Unterlage abweicht. Zunächst muss die Abweichung festgestellt werden. Danach stellen sich Fragen nach vereinbarter Leistung, technischen Anforderungen und möglichen Auswirkungen. Allein das Wort „abweichend“ beantwortet noch nicht jede dieser Fragen. Ein gutes Gutachten muss den Weg zur Schlussfolgerung sichtbar machen.

Ein Arbeitsmittel mit einem Datenstand

Bei einem umfangreichen Fachwerk liegt die Stärke darin, Zusammenhänge gezielt nachschlagen zu können. Man muss es nicht wie einen Roman behandeln, um seinen Nutzen zu erkennen. Entscheidend ist, ob eine konkrete Frage verständlicher wird und die verwendeten Begriffe sauber voneinander getrennt sind.

Gleichzeitig ist die Ausgabe von 2018 kein Beleg für den heutigen Stand sämtlicher Gesetze und technischen Regelwerke. Besonders dort, wo konkrete Vorschriften oder Vergütungssätze relevant werden, braucht es eine aktuelle Prüfung. Die methodischen Überlegungen können weiterhin hilfreich sein, während einzelne rechtliche Angaben bereits überholt sind.

Auch umfangreiche Mustertexte nehmen diese Prüfung nicht ab. Eine Vorlage passt nur dann, wenn sie zur tatsächlichen Aufgabe und Situation gehört. Gerade bei Fachliteratur finde ich es wichtig, ihren Nutzen nicht mit der Vorstellung zu verwechseln, man könne Verantwortung an ein gedrucktes Muster abgeben.

Fazit

Ein gehaltvolles Nachschlagewerk für die Schnittstelle zwischen Bautechnik und Sachverständigentätigkeit. Besonders wichtig ist die nachvollziehbare Trennung von Befund, fachlicher Beurteilung und rechtlicher Einordnung. Die vorhandene vierte Auflage muss bei aktuellen Vorschriften ergänzt werden. Als Grundlage für sorgfältiges Arbeiten interessant, als Ersatz für Erfahrung, Untersuchung und aktuelle Prüfung selbstverständlich nicht.

Wenn du es gerne selbst lesen möchtest, findest du es hier.

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Quellen zur Einordnung

Fraunhofer IRB: 4. Auflage 2018 · Inhalte der vierten Auflage · Architektenkammer: Einordnung des Handbuchs