Buchcover Nicht schulklug – sondern straßenschlau von Matthias Aumann
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Meine Meinung

Nicht schulklug – sondern straßenschlau

von Matthias Aumann

Matthias Aumann stellt praktische Erfahrung und unternehmerisches Handeln in den Vordergrund. Der Gegensatz im Titel ist zugespitzt; die Frage dahinter, wie aus Wissen tatsächliche Umsetzung wird, ist dagegen berechtigt.

Theorie allein führt noch keinen Betrieb

Man kann sehr viel über Unternehmen lesen und trotzdem Schwierigkeiten haben, sobald eine Entscheidung tatsächlich getroffen werden muss. Ein Mitarbeiter fehlt, ein Kunde erwartet eine Antwort, eine Kalkulation geht nicht auf. Für solche Situationen liefert ein theoretisch richtiges Modell nicht immer schon den nächsten praktischen Schritt.

An dieser Stelle setzt Matthias Aumann an. Er beschreibt Unternehmertum aus einer stark umsetzungsbezogenen Perspektive und verbindet Fragen der Einstellung mit Mitarbeiterführung, Unternehmensphilosophie und Vermarktung. Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen und aus Überlegungen ein funktionierendes Geschäft zu machen. Die Darstellung ist eher ein unternehmerischer Anstoß als eine systematische betriebswirtschaftliche Ausbildung.

Der Gegensatz im Titel

„Schulklug“ und „straßenschlau“ lassen sich leicht gegeneinander ausspielen. Für mich ist dieser Gegensatz aber nur begrenzt hilfreich. Gute Grundlagen können praktische Fehler verhindern, und praktische Erfahrung kann zeigen, wo eine theoretische Annahme nicht zur Situation passt. Beides muss sich nicht ausschließen.

Gerade im Handwerk wäre es merkwürdig, Wissen gegen Können auszuspielen. Eine Arbeit muss fachlich verstanden und ordentlich ausgeführt werden. Das gilt in anderer Form auch für einen Betrieb: Wer Zahlen nicht versteht, wird durch Entschlossenheit allein keine bessere Kalkulation bekommen. Wer dagegen jede Entscheidung aufschiebt, weil noch eine Information fehlt, kommt ebenfalls nicht weit.

Interessant ist deshalb nicht die Frage, welche Art von Klugheit grundsätzlich überlegen wäre. Interessanter ist, ob man erkennen kann, was gerade fehlt. Muss etwas gelernt, ausprobiert, nachgerechnet oder endlich entschieden werden? Diese Unterscheidung macht den Gedanken hinter dem Titel deutlich brauchbarer.

Mitarbeiter und Unternehmenskultur

Aumanns Themen gehen über den einzelnen Unternehmer hinaus. Sobald Menschen gemeinsam arbeiten, reicht die persönliche Energie des Chefs nicht mehr aus. Erwartungen müssen verständlich sein, Zuständigkeiten zusammenpassen und Entscheidungen im Alltag nachvollzogen werden können.

Eine Unternehmensphilosophie hat dabei nur dann einen Wert, wenn sie sich im Umgang miteinander zeigt. Wenn Zuverlässigkeit auf der Website steht, aber intern Zusagen ständig geändert werden, entsteht kein klarer Maßstab. Ebenso wenig hilft es, Selbstständigkeit zu verlangen und gleichzeitig jede kleine Entscheidung wieder an sich zu ziehen.

Solche Widersprüche lassen sich nicht mit einer motivierenden Ansprache auflösen. Sie verlangen Aufmerksamkeit für den tatsächlichen Arbeitsablauf. Als weiterführende Frage zur Lektüre finde ich deshalb sinnvoll, ob die eigenen Vorstellungen für andere überhaupt so eindeutig sind, wie sie im eigenen Kopf erscheinen.

Handeln mit Rückmeldung

Auch im Marketing liegt zwischen einer guten Idee und einem funktionierenden Angebot ein Stück Arbeit. Sichtbarkeit kann Interesse erzeugen, aber danach muss die Leistung überzeugen. Ein Betrieb wächst nicht dauerhaft dadurch, dass er nur entschlossener über sich spricht.

Hier liegt für mich die Grenze eines stark motivierenden Unternehmertexts. Er kann Bewegung auslösen, die Prüfung des Ergebnisses aber nicht ersetzen. Ausprobieren ist sinnvoll, wenn man auch bereit ist, auf eine ungünstige Rückmeldung zu reagieren. Andernfalls wird aus Durchhaltevermögen lediglich das Festhalten an einer schlechten Annahme.

Aumanns Ansatz lässt sich deshalb am besten mit konkreten Fragen verbinden. Welche Entscheidung wird seit Wochen vertagt? Wo fehlt eine verständliche Zuständigkeit? Welche Behauptung über Kunden oder Mitarbeiter wurde eigentlich noch nie überprüft? So bleibt die Lektüre an der praktischen Seite des Unternehmertums, ohne aus jedem Problem eine reine Frage der Einstellung zu machen.

Fazit

Ein umsetzungsorientierter Unternehmertext, dessen zugespitzten Titel ich nicht wörtlich nehmen würde. Fachwissen und praktische Erfahrung gehören zusammen. Nützlich sind die Anstöße dort, wo aus langem Überlegen ein nachvollziehbarer nächster Schritt werden soll. Entscheidend bleibt, ob man das Ergebnis anschließend ebenso ehrlich prüft, wie man vorher für die eigene Idee eingetreten ist.

Wenn du es gerne selbst lesen möchtest, findest du es hier.

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Quellen zur Einordnung

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