Blick vom Kleinen Burgberg auf Bad Harzburg, fotografiert von Lukas Beck
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Heimat

Bad Harzburg & Harz

Bad Harzburg ist meine Heimat, und zur Stadt gehört für mich mehr als das, was man bei einem Ausflug zu sehen bekommt. Mich interessieren ihre Geschichte und die Veränderungen vor Ort ebenso wie der Harz, der direkt hinter den Häusern beginnt. Vieles hängt miteinander zusammen, von den alten Kuranlagen bis zu den Waldgaststätten.

Wo die Stadt in den Harz übergeht

In Bad Harzburg liegen die Bummelallee mit ihren Geschäften und Cafés, die Kuranlagen und die Wege in den Wald nah beieinander. Über der Stadt erhebt sich der Burgberg, von dem aus Wanderwege weiter in den Harz führen. Diese Nähe macht einen Teil des Ortes aus: Der Wald liegt nicht irgendwo außerhalb, sondern schließt unmittelbar an die Stadt an.

Rund um die Kuranlagen wird deutlich, wie stark Bad Harzburg durch seine Gäste geprägt wurde. Wer die Stadt verstehen möchte, findet aber auch abseits davon Anknüpfungspunkte, etwa in den älteren Ortsteilen und in Gebäuden, deren ursprüngliche Nutzung heute kaum noch zu erkennen ist. Besonders interessant wird es dort, wo sich erklären lässt, wie aus einem landwirtschaftlichen Betrieb eine Gaststätte oder aus einer Saline ein Kurhotel wurde.

Wie Bad Harzburg zum Kurort wurde

Der Name Bad Harzburg ist eng mit der Sole verbunden, also mit salzhaltigem Wasser aus dem Untergrund. Nach dem Fund einer Solequelle 1569 entstand die Saline Juliushall, die ihren Namen Herzog Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel verdankte. Zunächst ging es um die Gewinnung von Salz; erst im 19. Jahrhundert wurde das Wasser auch zur Grundlage eines wachsenden Badebetriebs.

Mit dem Eisenbahnanschluss wurde Harzburg für Gäste leichter erreichbar, und der Ort richtete sich zunehmend auf ihre Aufenthalte ein. Nach der Stilllegung der Saline 1851 entstand in deren Gebäuden das Kurhotel Bad Juliushall. Philipp August von Amsberg förderte neben der Eisenbahn auch Spazierwege und Anlagen für die Besucher. 1892 erhielt der damalige Ort Neustadt-Harzburg schließlich den Namen Bad Harzburg. [5]

Ein sichtbares Stück dieser Geschichte ist die Wandelhalle im Badepark. Sie wurde 1898 gemeinsam mit dem städtischen Badehaus eröffnet und war ursprünglich eine offene Halle mit Arkaden und Kiesboden. Erst später erhielt sie einen festen Boden und 1959 eine vollständige Verglasung. So entstand aus dem offenen Wandelgang ein geschützter Raum, der auch zum Lesen und für Vorträge genutzt werden konnte. [6]

Der Burgberg und die alte Harzburg

Lange vor dem Kurbetrieb war der Burgberg bereits ein politisch bedeutender Ort. Heinrich IV. ließ dort zwischen 1065 und 1068 die Harzburg errichten, deren Geschichte eng mit den Konflikten zwischen dem König und den Sachsen verbunden ist. Als die Burg 1073 belagert wurde, musste er von dort fliehen.

Die Anlage blieb über Jahrhunderte nicht unverändert. Unter Friedrich Barbarossa entstand um 1180 eine neue Reichsfeste, die später auch Kaiser Otto IV. nutzte; er starb 1218 auf der Harzburg. Nach weiteren Besitzerwechseln wurden die Anlagen um die Mitte des 17. Jahrhunderts abgetragen. Ruinenreste und der historische Rundweg helfen heute dabei, sich vorzustellen, wie die Burg auf dem Berg angelegt war.

Mit der Seilbahn kam 1929 eine neue Möglichkeit hinzu, den Burgberg zu erreichen. Oben treffen deshalb heute ganz unterschiedliche Gründe für einen Besuch zusammen: der Blick über Bad Harzburg, die Spuren der Burg und der Ausgangspunkt für eine Wanderung. Von hier führt das Wegenetz weiter in den Harz und damit auch zu den Waldgaststätten. [7]

Die Rabenklippe der Familie Gummich

Über dem Eckertal liegt die Rabenklippe mit ihren Granitfelsen, von denen der Blick bei klarem Wetter bis zum Brocken reicht. Direkt daneben steht das Waldgasthaus der Familie Gummich, sodass sich ein Besuch des Aussichtspunkts mit einer Einkehr und einem Abstecher zum nahen Luchsgehege verbinden lässt.

Die Idee für einen Ausschank an den Felsen kam vom Badearzt Carl Franke, der den Bündheimer Zimmermann Wilhelm Schilling dafür gewann. Schilling eröffnete am 24. Mai 1874 einen Verkaufsstand aus Birkenstämmen, an dem zunächst nur sonntags Getränke angeboten wurden. Seine Frau Johanne trug den Nachschub in einer Kiepe hinauf, denn eine Gaststätte, wie man sie heute kennt, gab es dort noch nicht.

Mit der wachsenden Nachfrage erhielt Schilling die Erlaubnis, ein festes Gebäude zu errichten, das gegenüber dem heutigen Gasthaus stand. Später übernahm Wilhelm Schilling II. die Bewirtung, die nach seinem Tod 1925 von seiner Frau fortgesetzt wurde. Auch der Wechsel von 1958 fand innerhalb der Familie statt, als Else Schilling den Betrieb an ihren Schwiegersohn Otto Bokemüller übergab.

Nach weiteren Betreiberwechseln kam das Gasthaus zur Familie Heinemann. Als ihr Mann gestorben war, kaufte Frau Heinemann die Rabenklippen von der Bezirksregierung und führte den Betrieb zunächst allein weiter, ehe die Familie Gummich das Anwesen am 29. Juni 1999 übernahm. [1]

Zur jüngeren Geschichte der Rabenklippe gehört das Luchsgehege, das Teil des Harzer Wiederansiedlungsprojekts ist. Im Rahmen dieses Projekts wurden zwischen 2000 und 2006 insgesamt 24 Luchse im Nationalpark ausgewildert, nachdem die Tierart lange aus der Region verschwunden war. Während eine Begegnung mit einem frei lebenden Luchs selten bleibt, bietet das Schaugehege die Möglichkeit, die Tiere aus der Nähe zu beobachten und mehr über ihre Rückkehr in den Harz zu erfahren. [4]

Unser Molkenhaus am Hasselteich

Unser Molkenhaus liegt auf einer Waldlichtung am Hasselteich, doch seine Geschichte begann nicht als Ausflugsgaststätte. Das erste Haus entstand 1665 als Unterkunft für Kuhhirten, die mit ihren Tieren die Weideflächen im Harz nutzten. Es stand noch an einem anderen Platz als die späteren Gebäude am Teich. Wer heute zum Essen oder während einer Wanderung dort einkehrt, besucht also einen Ort, dessen Ursprung in der Viehwirtschaft liegt. [2]

Als das erste Gebäude zu klein und baufällig geworden war, entstand 1822 ein größeres Molkenhaus am Hasselteich. Dort konnten die Kühe in der Nähe ihrer Bergweiden gemolken werden, ohne sie jedes Mal zu den Höfen des Ritterguts in Bündheim hinunterzutreiben. Der Standort sparte damit Wege und erleichterte die Arbeit mit den Tieren. [8]

Otto Reuß übernahm das Molkenhaus 1883 und hielt dort weiterhin braune Harzkühe. Gleichzeitig kamen durch die Eisenbahn mehr Besucher in die Region, von denen auch das Haus auf dem Weg zum Brocken profitierte. Wanderer erhielten zunächst einfache Speisen wie dicke Milch mit Zucker und Zimt sowie trockenes Brot, bevor Reuß den Betrieb 1891 zu einer Hotelpension ausbaute. Er förderte außerdem den Wintersport und begann mit der Wildfütterung, die später eng mit dem Molkenhaus verbunden war. [3]

Das alte Gebäude überdauerte diese Entwicklung nicht bis heute. Nachdem es mehr als ein Jahr leer gestanden hatte und stark beschädigt worden war, wurde es am 15. Dezember 1973 mit Genehmigung der Forstverwaltung kontrolliert niedergebrannt. Ein herkömmlicher Abriss galt als zu teuer, weshalb die Feuerwehr diese Aufgabe übernahm. Dafür wartete man auf ausreichend Schnee, um die Gefahr für den umliegenden Wald zu verringern. [8]

1976 entstand nördlich des Hasselteichs das heutige Molkenhaus. Sein Name verbindet also mehrere Gebäude und Standorte, während sich aus der Unterkunft für Hirten nach und nach eine Gaststätte für Besucher des Harzes entwickelte. Heute liegt hier die Stempelstelle 169 der Harzer Wandernadel, und die Wege verbinden das Haus unter anderem mit dem Burgberg und der Rabenklippe. [3]

Stadtleben außerhalb des Kurviertels

Bad Harzburg besteht nicht nur aus dem Kurviertel und den Ausflugszielen am Waldrand. Zur heutigen Stadt gehören auch Orte mit eigener Geschichte, die erst später zusammengeführt wurden. 1972 wurden Bettingerode, Bündheim, Harlingerode und Westerode mit Bad Harzburg zusammengeschlossen. Schon nach dem Zweiten Weltkrieg hatte die Aufnahme vieler Flüchtlinge zu einem Bevölkerungsanstieg und zur Erweiterung der Wohngebiete geführt. [9]

Wer hier lebt, braucht neben Angeboten für Gäste auch Geschäfte für den täglichen Einkauf, Arbeitsplätze und Räume, in denen sich Menschen treffen können. Deshalb interessiert mich, was aus einzelnen Häusern und Betrieben wird. Bei einem leer stehenden Laden stellt sich etwa die Frage, welche Nutzung dort überhaupt möglich ist und ob sie zu der Straße und den Menschen in der Umgebung passt.

Eine neue Nutzung verändert nicht gleich die ganze Stadt, kann aber für den betreffenden Abschnitt viel ausmachen. Wird aus einem ungenutzten Erdgeschoss wieder ein Geschäft oder ein Café, gibt es einen neuen Anlass, dort hinzugehen. Solche Entwicklungen gehören für mich genauso zu Bad Harzburg wie die Geschichte der bekannten Gebäude.

Genauer hinsehen und festhalten

Neben dem heutigen Zustand interessiert mich, was hinter solchen Orten steckt. Wofür wurde ein Gebäude früher genutzt, wie hat sich ein Betrieb entwickelt und weshalb sieht eine Straße heute so aus? Eine alte Aufnahme oder ein Gespräch kann den Blick auf etwas verändern, an dem man sonst vorbeigeht.

Quellen zu Bad Harzburg und den Waldgaststätten
  1. Waldgasthaus Rabenklippe: Geschichte – Beginn des Ausschanks 1874, Familie Schilling und Übernahme durch die Familie Gummich 1999.
  2. Nationalpark Harz: Waldgaststätten – Lage beider Häuser, Rabenklippe und Luchsgehege sowie Ursprung des Molkenhauses 1665.
  3. Harzer Wandernadel: Molkenhaus – Otto Reuß, Hotelpension und Neubau 1976.
  4. Nationalpark Harz: Luchsgehege an den Rabenklippen – Schaugehege und Wiederansiedlungsprojekt.
  5. Bad Harzburger Tourist-Information: Stadtchronik – Saline Juliushall, Entwicklung des Kurbetriebs und Namensänderung 1892.
  6. Stadt Bad Harzburg: Wandelhalle – Bau von 1898 und spätere Veränderungen.
  7. Stadt Bad Harzburg: Der Große Burgberg und seine Harzburgen – Burganlage, historischer Rundweg und Seilbahn.
  8. Goslarsche Zeitung: Rückblick auf das alte Molkenhaus – Klaus Röttger, 5. Januar 2024; Standortwechsel 1822 und kontrollierter Abbruch 1973.
  9. Stadt Bad Harzburg: Stadtgeschichte – Entwicklung der Wohngebiete und Gemeindezusammenschluss 1972.